Ein Hacker nutzte autonome KI-Agenten, um über hundert Unternehmen anzugreifen
22. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit
Ein einzelner Angreifer setzte autonome Systeme der künstlichen Intelligenz ein, um die Webseiten von mehr als einhundert Firmen zu kompromittieren. Diese Kampagne demonstrierte, wie kriminelle Akteure komplexe Operationen mit minimalen menschlichen Eingriffen und geringen finanziellen Ressourcen durchführen können. Die Angriffe zielten spezifisch auf E-Commerce-Plattformen und digitale Infrastrukturen ab, wobei die Automatisierung eine zentrale Rolle bei der Identifizierung und Ausnutzung von Sicherheitslücken spielte.
Die betroffene Infrastruktur umfasste Ziele in den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Japan. Die Offensive begann am fünfundzwanzigsten September und weitete sich schnell aus. Bis zur vergangenen Woche hatten die autonomen Agenten Versuche unternommen, mehr als eintausendzweihundert verschiedene Webseiten zu infiltrieren. Von diesen Versuchen waren über hundert erfolgreich. Die erfolgreichen Operationen benötigten im Durchschnitt etwa dreiundzwanzig Stunden an automatisierten Versuchen, um Schwachstellen zu finden und auszunutzen. Zu den betroffenen Organisationen gehörten ein Hersteller landwirtschaftlicher Geräte, ein Produzent von Haushaltsgeräten und ein Motorenhersteller.
Die finanziellen Aspekte dieser Kampagne unterstreichen die Effizienz der eingesetzten Technologie. Der Angreifer gab ungefähr fünftausend US-Dollar für die Rechenleistung der künstlichen Intelligenz aus. Dies entspricht durchschnittlich Kosten von etwa fünfzig US-Dollar pro erfolgreicher Invasion. Diese geringen Betriebskosten stehen im starken Kontrast zu traditionellen Angriffsmethoden, die oft hochspezialisiertes Personal und lange Arbeitszeiten erfordern. Der Täter konnte die Operationen mit anfänglichen Anweisungen steuern, die teilweise weniger als einhundert Zeichen in chinesischer Sprache umfassten.
Technisch basierte die Operation auf der Kombination verschiedener Werkzeuge. Die Untersuchung identifizierte die Nutzung einer Open-Source-Plattform namens Cairn, die zur Koordination autonomer KI-Agenten dient. Diese Software ermöglichte es den Systemen, Aufgaben selbstständig auszuführen und alternative Wege zu suchen, wenn ein direkter Angriff scheiterte. Zusätzlich kamen ein chinesisches Sprachmodell und ein Programmierwerkzeug eines amerikanischen Unternehmens zum Einsatz. Der Angreifer nutzte Instanzen dieser Plattform, die unsicher im Internet zugänglich waren, um die Angriffe zu orchestrieren.
Das Verhalten der Agenten zeigte ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. In dokumentierten Fällen suchten die Systeme nach Schwachstellen in sekundären Komponenten der Infrastruktur, wenn die Hauptanwendung geschützt war. Sie identifizierten exponierte administrative Panels und Fehler in der Informationsverarbeitung. Durch wiederholte Versuche gelang es den Agenten, Server zur Ausführung bösartiger Befehle zu verleiten. Dies verdeutlicht das Risiko, das von vernachlässigten Nebensystemen und Schnittstellen ausgeht, selbst wenn die Kernanwendungen gesichert sind.
Die Auswirkungen auf die betroffenen Unternehmen variieren und werden weiterhin untersucht. Ein landwirtschaftlicher Konzern gab an, Korrekturmaßnahmen ergriffen zu haben und keine Hinweise auf den Zugriff auf sensible Informationen gefunden zu haben. Ein Hersteller von Haushaltsgeräten bestätigte einen Angriff auf eine unabhängige Support-Webseite, erklärte die Bedrohung jedoch für eingedämmt. Ein Motorenhersteller prüft derzeit einen möglichen Vorfall bei einer Webseite, die von einem externen Dienstleister betrieben wird. Es bleibt unklar, inwieweit Daten tatsächlich extrahiert wurden, da die Untersuchung der Datenlecks noch andauert.
Dieser Vorfall markiert eine neue Dimension in der Bedrohungslandschaft für die Unternehmenssicherheit. Werkzeuge, die Aufgaben über lange Zeiträume autonom ausführen können, erweitern die Angriffsfläche erheblich. Kriminelle können nun eine größere Anzahl von Systemen ohne ständige Überwachung prüfen. Der Erfolg hängt weiterhin von vorhandenen Sicherheitslücken und Fehlkonfigurationen ab. Experten betonen die Notwendigkeit, Inventare aller internetzugänglichen Dienste aktuell zu halten und auch die Sicherheitspraktiken von Drittanbietern streng zu überwachen, da diese oft als Einfallstor dienen.